TREND CONSULTING - NEWS - 18.09.2009
Türkei baut Abfallwirtschaft und Recycling weiter aus
http://www.recyclingportal.eu/topartikel/22871.shtml
Allen türkischen Kommunen ist durch das 2006 in Kraft getretene Umweltgesetz die Anlage von geregelten Deponien bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgeschrieben. Der Termin ergibt sich aus der Einwohnerzahl. Für Städte mit über 100.000 Einwohnern läuft diese Frist im Mai 2010 ab. Es folgen die Fristen 2012 für Städte mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern, 2014 für Orte zwischen 10.000 und 50.000 Einwohnern und 2017 für Gemeinden mit 2.000 bis 10.000 Menschen. Bei der Umsetzung sind die Kommunen auf Know-how und finanzielle Unterstützung von außen angewiesen.
Die Entsorgung wird in der Türkei in der Regel von kommunalen Unternehmen durchgeführt. In einigen Fällen ist der Abtransport und die Deponie beziehungsweise die Wiederverwertung von Müll privaten Betreibern übergeben worden. Dabei bieten sich auch Chancen für deutsche Unternehmen zum Einstieg in den Sektor. So kooperiert das Unternehmen Remondis seit 2007 mit der Firma Sistem Yapi bei Projekten der Abwasserentsorgung.
Verpackungsabfälle machen etwa 30 Prozent des Gewichtes und 50 Prozent des Volumens der gesamten Abfallmenge in der Türkei aus. Insbesondere von dieser Menge soll zukünftig ein größerer Teil einer Wiederverwertung zugeführt werden. Erster Ansatzpunkt hierzu ist die nach Materialien getrennte Sammlung an den Abfallquellen. Die Zahl der Anlagen, die Müll sortieren und einer erneuten Verwertung zuführen, hat sich zwischen 2003 und 2008 nach Angaben des türkischen Umweltministeriums bereits von 28 auf 145 erhöht. Die auf diese Weise dem Recycling zugeführte Müllmenge stieg im selben Zeitraum von 350.000 t auf 2,5 Mio. t.
Gefährliche Abfälle wurden in der Türkei lange Zeit nur gelagert, in mehr oder weniger angemessener Form. In einigen Fällen konnte eine Entsorgung im Ausland organisiert werden. In den letzten Jahren steigt die Kapazität zur Lagerung und Verwertung auch im Land selbst. Im Jahr 2003 gab es in der Türkei nach Angaben des Umweltministeriums nur eine Verbrennungsanlage für Sondermüll mit einer Kapazität von 35 t im Jahr und eine spezielle Deponie, die im Jahr 160 t Gefahrstoffe aufnehmen konnte.
Bis 2008 hat sich die Zahl in beiden Fällen auf drei erhöht. Die Verbrennungskapazität hat sich damit auf 60 t im Jahr, das zur Verfügung stehende Volumen für die Einlagerung hat sich jedoch nur geringfügig erhöht und wurde mit 177 t pro Jahr angegeben. Für das Recycling von Gefahrstoffen standen 2003 bereits 18 Anlagen mit einer Kapazität von 80 t im Jahr zur Verfügung. In den folgenden fünf Jahren waren hier deutliche Erfolge zu verzeichnen. Bis 2008 stieg die Zahl der Anlagen auf 144, die Kapazität auf 543 t im Jahr. In weiteren 30 Anlagen, die seit 2005 genehmigt wurden, soll Sondermüll zur Energiegewinnung genutzt werden. Die Gesamtkapazität der Verwertung steigt damit auf 680 t im Jahr.
Für die Entsorgung medizinischer Abfälle standen 2003 landesweit lediglich vier Anlagen zur Verfügung. Bis 2008 konnte ihre Zahl auf 21 gesteigert werden. Zum Ende des Jahres 2012 will die türkische Regierung 85 Prozent der anfallenden medizinischen Abfälle einer sachgerechten Entsorgung zuführen.
Im Rahmen des IPA (Instrument for Pre-Accession) fördert die EU den Aufbau der Umweltinfrastruktur in der Türkei. Priorität genießen dabei Vorhaben zur Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und zur Beseitigung von Abfall. In den Jahren 2007 bis 2009 hat die EU insgesamt 204,1 Mio. Euro hierzu beigesteuert, ergänzt von türkischer Seite um weitere 68,0 Mio. Euro. Auf den Bereich Abfallentsorgung entfielen rund 28 Prozent der Projektausgaben. Konkret gibt es acht Vorhaben, von denen drei in den Städten Balikesir, Konya und Ordu bereits verwirklicht werden.
In ihrem Fortschrittsbericht zu den Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei kam die EU-Kommission 2007 zu dem Schluss, dass das Land bei der Umsetzung des Besitzstandes im Bereich Abfall bereits recht weit vorangekommen sei, insbesondere was die Abfall-Rahmenrichtlinie und gefährliche Abfälle anbelangt. Die Anstrengungen in diesem Bereich müssen jedoch fortgeführt werden, vor allem was Altfahrzeuge und Elektro- oder Elektronikaltgeräte sowie die Deponierung und Verbrennung von Abfällen betrifft. Im Report 2008 stellte die Kommission kleinere Fortschritte bei der Beschränkung der Verwendung einiger weiterer Gefahrstoffe fest, bemängelte aber erneut den noch nicht vorliegenden nationalen Plan zur Abfallbewirtschaftung.